Wien investiert Millionen in die ME/CFS-Forschung
Wien investiert rund zwei Millionen Euro in die bisher größten ME/CFS-Forschungsprojekte Österreichs an der MedUni Wien. Ab Mitte 2027 startet außerdem ein eigenes PAIS-Zentrum für Menschen mit ME/CFS und Post COVID.
ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) ist eine schwere neurologische Erkrankung, die lange unterschätzt wurde. Sie tritt häufig nach Virusinfektionen auf, auch nach COVID-19. In Österreich sind schätzungsweise 70.000 bis 80.000 Menschen betroffen, also mehr als an Multipler Sklerose. Rund 60 Prozent der Betroffenen sind teilweise arbeitsunfähig, etwa ein Viertel ist ans Haus oder ans Bett gebunden. Viele von ihnen kämpfen seit Jahren um eine Diagnose, um Anerkennung und um medizinische Unterstützung. Trotzdem gibt es bisher kaum Forschung und keine ursächliche Therapie. Wien nimmt die Anliegen der Betroffenen ernst und handelt.
Bisher größte Förderungen für ME/CFS in Österreich
Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) und die WE&ME Stiftung der Familie Ströck haben seit 2024 gemeinsam rund 3,1 Millionen Euro für die ME/CFS-Forschung in Wien bereitgestellt. Jetzt folgen zwei neue Forschungsprojekte an der MedUni Wien mit jeweils rund einer Million Euro. Sie sollen helfen, die Erkrankung besser zu verstehen und neue Erkenntnisse für die Diagnostik zu gewinnen. Das Projekt ME-RESET untersucht, warum bei ME/CFS die Energieversorgung in Gehirn und Muskulatur versagt und ob sich das teilweise umkehren lässt. Das zweite Projekt geht der Frage nach, ob bei manchen Betroffenen eine bisher unerkannte seltene genetische Erkrankung vorliegt. Eine internationale Jury hat die Projekte ausgewählt. Neu dabei war, dass auch erkrankte Wissenschaftler:innen als Patient:innen-Expert:innen an der Bewertung mitgewirkt haben.
PAIS-Zentrum: Hilfe direkt vor Ort
Wien baut nicht nur die Forschung, sondern auch die medizinische Versorgung weiter aus. Mit dem neuen PAIS-Zentrum im Wiener Gesundheitsverbund entsteht schrittweise eine spezialisierte Anlaufstelle für Menschen mit postakuten Infektionssyndromen wie ME/CFS und Post COVID. Dort stehen Diagnose, Symptommanagement und medizinische Begleitung im Mittelpunkt. Mitte 2027 beginnt die Versorgung im Diabeteszentrum Donaufeld, ab Mitte 2028 gibt es das volle Angebot. Rund 20 Fachkräfte aus Neurologie, Innerer Medizin, Therapie, Psychologie und Sozialarbeit werden dort arbeiten. Die Räume werden reizarm und barrierefrei sein und Liegemöglichkeiten bieten. Dafür sind 6,7 Millionen Euro an Investitionen und jährlich 3,8 Millionen Euro für den laufenden Betrieb vorgesehen.
So verbindet Wien Spitzenforschung mit konkreten Verbesserungen in der Versorgung.
Was dir auch gefallen könnte:
Die Geschichte des Gemeindebaus
Das Wiener Wohnbaumodell: Seit Generationen. Für Generationen.
Demokratie braucht einen freien Sonntag
Warum es beim freien Sonntag um mehr als Arbeitszeit geht.
So unterstützt die Stadt junge Familien beim Einzug in eine geförderte Wohnung
Eigenmittelersatzdarlehen: Finanzierung für den Einzug in eine geförderte Wohnung