SPÖ Wien

Verwurzelt durch regionale Wertschöpfung.

Wien ist nicht nur eine Millionenmetropole, sondern auch eine Agrarstadt: Fast 14 % der Stadtfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Diese Flächen sichern frische Lebensmittel, Arbeitsplätze und ökologische Stabilität. Bei vielen Produkten – etwa Gemüse, Getreide oder Wein – gelingt es so, einen hohen Selbstversorgungsgrad zu gewährleisten, was in Zeiten multipler globaler Krisen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Auch international findet das Anerkennung: Wien wurde von der EU zur Bio-Hauptstadt Europas gekürt – und das mit gutem Grund.

Rund 5.700 Hektar des Stadtgebiets werden von Wiener Bäuer:innen für die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte in hervorragender Qualität bewirtschaftet. Eine europaweit einzigartige Verbindung von urbanem Raum und Landwirtschaft. Wien ist zudem die einzige Großstadt Europas mit aktivem Weinbau: 1,5 % der Stadtfläche sind mit Reben bepflanzt. Über 800 landwirtschaftliche Betriebe sorgen dafür, dass Wien nicht nur sich selbst, sondern auch ganz Österreich mit frischen Lebensmitteln versorgt. Die Stadt führt das Bundesländerranking bei mehreren Gemüsesorten deutlich an: 75 % aller Gurken, 61 % der Melanzani, 55 % des Vogerlsalats und 30 % der Paradeiser stammen aus Wiener Landwirtschaft. Neben der Vielfalt der Betriebe überzeugt auch deren Qualität. Mit der stadteigenen Bio-Linie „Wiener Gusto“ setzt Wien Maßstäbe für nachhaltige Stadtlandwirtschaft.

Trotz dieser beachtlichen Erfolge und der hohen Wertschätzung, die die Wiener Landwirtschaft genießt, steht sie zunehmend unter Druck. Die Rahmenbedingungen verändern sich auf ökonomischer, ökologischer und gesellschaftlicher Ebene. Landwirtschaftliche Betriebe müssen sich an neue Klimabedingungen, steigende Produktionskosten und intensivere Flächenkonkurrenz anpassen, während gleichzeitig die Erwartungen an regionale, biologische und faire Erzeugung wachsen.

 

Schutz des Bodens als überlebenswichtige Ressource

In einer wachsenden Stadt wird jeder Quadratmeter Boden zu einer knappen Ressource. Dieser Wettbewerb um Flächen bedeutet letztlich auch eine Bedrohung für unsere Nahversorgung.

 

Institutionelle Absicherung der Betriebskontinuität

Für ältere Landwirt:innen wird die Suche nach Nachfolger:innen zu einem immer schwieriger zu lösenden Problem. Viele junge Menschen übernehmen elterliche Betriebe nicht, da Pachtpreise hoch, Vertragslaufzeiten kurz und Einkommen unsicher sind. Dadurch droht ein Verlust von Know-how und regionaler Wertschöpfung. Ohne die langfristige Sicherung der Betriebsnachfolge droht aber auch ein Rückgang regionaler Produktion.

 

Nachhaltige Energieversorgung für intensive Kulturen

Hohe Energiekosten belasten vor allem unsere Gemüsebauer:innen und Gärtner:innen, die im energieintensiven Glashaus produzieren. Ab 2027 neu zu verhandelnde Fernwärmeverträge könnten die Produktion verteuern, wenn keine kostengünstigen Alternativen wie Geothermie oder Abwärmenutzung aus der Kreislaufwirtschaft erschlossen werden.

 

Sicherung des Arbeitskapitals in personalintensiven Agrarstrukturen

Arbeitskräftemangel ist ein weiteres Kernproblem. Landwirtschaftliche Arbeit ist personalintensiv, saisonal, körperlich fordernd und schlecht planbar. Betriebe sind hierfür auch auf Arbeitskräfte aus Drittstaaten angewiesen. Fehlen diese, riskieren sie Ernteausfälle und Preissteigerungen.

 

Kostenwahrheit und Wettbewerbsgerechtigkeit im globalisierten Agrarmarkt

Billige Importe verschärfen den Wettbewerb: Produkte aus dem Ausland sind oftmals günstiger, auch weil sie oft unter weniger strengen ökologischen Standards hergestellt werden. Damit verbundene lange Transportwege widersprechen überdies dem Nachhaltigkeitsgedanken.

 

Harmonisierung der Standards und Regulierung ökologischer Produktionssysteme

Auf EU-Ebene führen unterschiedliche Bio-Richtlinien und in anderen Staaten leichtfertig genehmigte Notfallzulassungen für chemische Mittel (Pestizide) zu Wettbewerbsverzerrungen und untergraben überdies das Vertrauen der Konsument:innen in Bio-Zertifizierungen.

 

Stärkung alternativer Vertriebsmodelle durch Schaffung stabiler rechtlicher Rahmenbedingungen

Initiativen wie FoodCoops, die regionale Produkte fördern und eine zunehmende Beliebtheit bei den Wiener:innen genießen, stehen zudem rechtlich unter Druck. Ihnen fehlt oftmals die politische und institutionelle Lobby, um tatsächlich zu einer flächendeckenden Alternative zur rauen Konkurrenz des großen Lebensmitteleinzelhandels zu werden.

All diese Herausforderungen gefährden zentrale Ziele Wiens: Versorgungssicherheit, Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und soziale Gerechtigkeit. Um Wien resilient, nachhaltig und unabhängig zu halten, braucht es klare politische Leitlinien, den Schutz landwirtschaftlicher Flächen und eine Stärkung regionaler Produktions- und Vermarktungsstrukturen.

 

WIENER WEG

Als Sozialdemokrat:innen bekennen wir uns zu einer Landwirtschaft, die soziale Gerechtigkeit, ökologisches Bewusstsein und wirtschaftliche Fairness vereint. Regionale Lebensmittelproduktion sichert Arbeitsplätze, erhält die Nahversorgung und reduziert klimaschädliche Transporte. Deshalb setzen wir uns für die langfristige Sicherung landwirtschaftlicher Flächen durch den AgSTEP ein, fördern Urban-Gardening und vertikale Stadtlandwirtschaft und stärken lokale Wertschöpfung, damit Gewinne in Wien bleiben und die Wirtschaft in Stadt und Region stabil bleibt.

Auf diese Weise schafft Wien auch die Grundlage für eine verlässliche Nahversorgung: Durch gezielte Förderungen für kleine und mittlere Nahversorgungsbetriebe sowie die enge Zusammenarbeit mit der regionalen Landwirtschaft wird eine flächendeckende Versorgung gewährleistet.

Ökologische Verantwortung zeigt sich für uns in nachhaltiger Bewirtschaftung, Artenvielfalt und Klimaschutz. Wir fördern die Renaturierung, bauen regulatorische Hürden ab und klären Haftungsfragen, damit Bürger:innen praxisnah an Landwirtschaft teilhaben können. Wir setzen uns für den Verzicht auf Glyphosat und Neonicotinoide ein, gewährleisten Transparenz bei Herkunft und Qualität von Lebensmitteln und verankern nachhaltige Landwirtschaft in Bildungseinrichtungen, um Wissen und Bewusstsein früh zu fördern.

Soziale Fairness bedeutet für uns faire Arbeitsbedingungen, gute Löhne und soziale Absicherung in der Landwirtschaft. Gleichzeitig betrachten wir landwirtschaftliche Flächen als Lebens- und Erholungsräume für alle Wiener:innen und sichern ihre Nutzung durch transparente und partizipative Planung. Mit Innovationen wie Urban Farming, Kreislaufwirtschaft und praxisnahen Förderungen treiben wir eine nachhaltige, resiliente und sozial gerechte Stadtlandwirtschaft für Wien, seine Menschen und eine zukunftsfähige Wirtschaft voran.

SPÖ Wien

FORDERUNGEN 
Schutz der Wiener Landwirtschaft, regionale Wertschöpfung und Vermarktung stärken

Die Wiener Konferenz fordert daher:

  1. Die Stadt Wien muss landwirtschaftlich nutzbare Flächen weiterhin konsequent schützen und Umwidmungen nur in Ausnahmefällen zulassen. Dies stärkt die regionale Nahversorgung, reduziert Transportwege und fördert die Resilienz der Stadt in Krisenzeiten.
  1. Die Stadt Wien soll prüfen, Pachtverträge für landwirtschaftliche Flächen auf mindestens 15 Jahre zu verlängern oder Generationspachtverträge anbieten. So können Betriebe bei der Beantragung von EU-Fördermitteln unterstützt und die Planbarkeit längerfristiger Investitionen verbessert werden. 
  1. Energiepreise sind ein entscheidender Kostenfaktor für Wiener Landwirt:innen, insbesondere für Glashausbetriebe. Geothermie- und Kreislaufwirtschaftsprojekte sollen daher gezielt geöffnet und differenzierte Fernwärme-Tarife für landwirtschaftliche Betriebe eingeführt werden.
  1. Die Stadt Wien will ihre Bedeutung als Biohauptstadt in Europa weiter ausbauen. Mit dem „Wiener Bio-Aktionsprogramm 2022+“ wurde bereits ein erfolgreicher Weg beschritten, der weitergegangen werden sollte. Insbesondere soll es gelingen, die Zahl der Betriebe, die gemäß den Kriterien des biologischen Landbaus arbeiten, deutlich zu steigern.
  1. Bei städtischen Beschaffungen sollen – überall dort, wo dies rechtlich möglich ist - Regionalität, kurze Transportwege und Saisonalität als Vergabekriterien gestärkt werden. Damit wird die Stadt Wien selbst zum Vorbild für nachhaltigen Konsum.
  1. Die Stadt Wien soll Regionalität und Saisonalität stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Gezielte Kampagnen sollen Wiener:innen dazu motivieren, stolz auf ihre lokale Landwirtschaft zu sein und vor allem lokal einkaufen. Denn wer regionale, saisonale Produkte kauft, trägt aktiv zur Klimawende und zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei.
  1. Die Kontingente für landwirtschaftliche Arbeitskräfte aus Drittstaaten sollen dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Gleichzeitig sind faire Arbeitsbedingungen und sozialer Schutz für diese Arbeitskräfte sicherzustellen.
  1. Der Bund soll gezielt Programme zur Unterstützung von Betriebsübernahmen und Investitionen für Junglandwirt:innen ausbauen. Vereinfachte Übergabemodalitäten und finanzielle Anreize können helfen, die nächste Generation für die Landwirtschaft zu gewinnen.
  1. FoodCoops müssen rechtlich so geschützt werden, dass Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Konsument:innen nicht durch Klagen des Handels bedroht werden. Die Gemeinnützigkeit dieser Zusammenschlüsse soll gesetzlich anerkannt und gefördert werden.
  1. Um die hohen Arbeitsbelastungen und Einkommensunsicherheiten auszugleichen, sollten die sozialen Absicherungsmöglichkeiten geprüft und gegebenenfalls angepasst werden.  Ein sozial gerechter Schutz stärkt die Attraktivität des Berufs.
  1. Die Kennzeichnungspflichten auf EU-Ebene müssen verschärft werden: Notfallzulassungen für chemische Mittel in anderen Staaten sollen auf den Produkten klar erkennbar sein.  So werden jene Landwirt:innen gestärkt, die sich konsequent an hohe Umweltstandards halten. Eine transparente Kennzeichnung stärkt Vertrauen und Fairness im Wettbewerb. 

Pulsierend durch Kultur und Tourismus.

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