SPÖ Wien

Lebenswert durch nachhaltige Investitionen.

Wir stehen vor historischen Veränderungen: In den kommenden Jahrzehnten wird es zu einer grundlegenden Transformation der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts kommen. Laut wissenschaftlichem Beirat der deutschen Bundesregierung hat eine Transformation dieses Ausmaßes in der Menschheitsgeschichte erst zweimal stattgefunden, bei der Sesshaftwerdung und im Rahmen der industriellen Revolution. Nahezu kein Bereich unseres Lebens wird dabei unverändert bleiben. Die Chancen, die sich daraus ergeben, gehören zu den größten unserer Zeit. In Phasen tiefgreifender Veränderungen hat die Wiener Sozialdemokratie stets die richtigen Antworten gefunden. Bis heute bildet die Wohn- & Sozialpolitik der Stadt Wien die Grundlage für das gesellschaftliche Zusammenleben und das solidarische Miteinander der Wiener:innen. Gepaart mit einer modernen Wirtschafts-und Arbeitsmarktpolitik zeigt Wien auch jetzt wieder vor, wie klimaneutrale, digitale und soziale Wertschöpfung im 21. Jahrhundert gelingen kann.

Mit dem ersten Klimagesetz Österreichs, einem neuen Baumschutzgesetz, einer umfangreichen Grünraumoffensive und erneuerbarer Energieversorgung setzt die Stadt klare Prioritäten. Über 500.000 m2 klimafit gestaltete Grünflächen, 25.000 neue Bäume, Mega-Renaturierungsprojekte sowie die größte Radwege-Offensive Wiens stehen für diesen Kurs. Seit 2005 wurden die Treibhausgasemissionen um 31 % gesenkt, der Energieverbrauch wurde mit 33,7 % mehr als doppelt so stark wie im Bundesschnitt (15,7 %) reduziert. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am Endenergieverbrauch (inklusive Import und Abwärme) ist in den letzten Jahren weiter gestiegen und liegt derzeit bei rund 32 %. Ebenso hat die Stadt Wien ihre Sonnenstrom-Leistung in nicht einmal fünf Jahren mehr als verfünffacht. In Wien werden jährlich 350.000 Tonnen Altstoffe und biogene Abfälle getrennt gesammelt, was rund 70.000 Tonnen CO₂ einspart. Der 100-Millionen-Euro-Fördertopf „Lebenswerte Klimamusterstadt“ war bereits zu Jahresbeginn 2025 ausgeschöpft und löste 142 Millionen Euro an Investitionen aus. Wien ist bereits auf einem erfolgreichen Weg in Richtung sozial-ökologischer Transformation. Gleichzeitig eröffnet dieser Weg neue Chancen und erfordert weitere tiefgreifende Veränderungen in nahezu allen Lebensbereichen, die für alle Beteiligten herausfordernd sind.
 

Ungleich verteilte Herausforderungen

Die aktuelle Transformationsphase ist geprägt von hoher Komplexität und regionaler Ungleichheit. Regionen, Städte und Gemeinden sind unterschiedlich stark von Veränderungen betroffen, wodurch bestehende soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten verstärkt werden können. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Transformation der Energieversorgung: Die Umsetzung der notwendigen Energiewende und die Abkehr von fossilen Brennstoffen gestaltet sich in Altstädten und historischen Gebäuden deutlich schwieriger als in neueren Siedlungsgebieten. Parallel dazu geraten strategische Abhängigkeiten und geopolitische Rahmenbedingungen zunehmend unter Druck. Herausforderungen wie Lieferkettenproblematiken, die Abhängigkeit von China und die aktuelle Situation in Bezug auf Russland machen die Stabilität des geoökonomischen Gefüges brüchiger. Hinzu kommt, dass China im Bereich grüner Technologien, bei Batterien und Elektrofahrzeugen eine massive technologische Führerschaft aufgebaut hat, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich beeinflusst. Die Verschiebungen in globalen Wertschöpfungsketten führen zu unterschiedlichen regionalen Auswirkungen, da Produktion und Fertigung zunehmend neu verteilt werden. Besonders herausfordernd ist die Umstellung auf eine klimaneutrale Wirtschaft in Regionen, in denen viele Menschen in Industrien mit hohen Emissionen beschäftigt sind. Wenn diese Betriebe ihre Produktion reduzieren oder auf neue, klimafreundliche Technologien umstellen müssen, sind zahlreiche Arbeitsplätze direkt betroffen. In Regionen, die wirtschaftlich stark von einzelnen Industriezweigen abhängen, kann das zu Produktionsrückgängen, Arbeitsplatzverlusten und damit zu sozialer und wirtschaftlicher Unsicherheit führen.
 

Soziale Akzeptanz

Der Klimawandel stellt eines der polarisierendsten Themen innerhalb unserer Gesellschaft dar. Grundsätzlich wächst in ungewissen Zeiten die Angst und Verunsicherung, was wiederum zu einer ablehnenden Haltung gegenüber Transformationsprozessen führt. Die Lasten der Transformation sind zudem ungleich verteilt oder werden subjektiv oft als ungerecht wahrgenommen. Ein deutliches Beispiel hierfür ist der kostspielige Wechsel von Heizsystemen, der insbesondere Haushalte mit niedrigeren Einkommen trifft, da gerade hier Öl- oder Gasheizungen noch weit verbreitet sind. Hinzu kommt die Abstraktheit vieler Vorteile klimabezogener Maßnahmen: Die Reduktion individueller CO2-Emissionen ist für den:die Einzelne:n oft schwer fassbar.
 

Politische und strukturelle Hindernisse

Die Fähigkeit, politische Veränderungen erfolgreich umzusetzen, ist derzeit durch mehrere miteinander verbundene Probleme eingeschränkt. Viele Menschen zweifeln an der Verlässlichkeit politischer Entscheidungen, weil Ziele und Förderungen immer wieder geändert oder infrage gestellt werden. Diese Unsicherheit schwächt das Vertrauen von Menschen und Unternehmen in langfristige Entwicklungen und hemmt wichtige Investitionen. 

Zugleich fehlt es an ausreichend qualifizierten Arbeitskräften, um viele Projekte tatsächlich umzusetzen. In Bereichen wie der Elektromobilität oder Energieumstellung braucht es neue Fähigkeiten, doch viele Beschäftigte sind darauf noch nicht vorbereitet. Gleichzeitig investieren Unternehmen weniger in Weiterbildung als früher. 

Zudem existieren oft strukturelle Hemmnisse in der Verwaltung: EU-Förderprogramme brauchen oft viele Jahre, bis sie tatsächlich vor Ort wirksam werden, und es fehlt an Rückmeldeschleifen, um aus Erfahrungen zu lernen. Verwaltungsstrukturen sind häufig zu schwerfällig, um die notwendigen Veränderungen schnell und effizient zu steuern. Obwohl es viele Förderinstrumente gibt, fehlt oft die strategische Abstimmung, um sie wirksam zu bündeln. 

Darüber hinaus haben große Infrastrukturprojekte – etwa beim Ausbau von Stromnetzen – lange Vorlaufzeiten von bis zu 25 Jahren und es fehlt an Baukapazitäten. Ebenso wird auch Bürger:innenbeteiligung nicht immer ausreichend genutzt: Wenn Ergebnisse aus Prozessen nicht umgesetzt oder in die Verwaltung eingebunden werden, leidet die Akzeptanz – und der gesamte Wandel verlangsamt sich. 
 

WIENER WEG 

Wien setzt in vielen dieser Punkte bereits an. Der WienPlan, oder auch der Stadtentwicklungsplan 2035, welcher den Zielsetzungen und Vorgaben der Smart Klima City Strategie Wien, des Wiener Klimafahrplans und dem Ziel der Klimaneutralität Wiens bis zum Jahr 2040 folgt, liefert dazu viele wichtige Ansätze, wie Wien diesen Transformationsprozess in den kommenden Jahren planen, steuern und umsetzen wird.

Dabei geht es um eine nachhaltige Stadtplanung, eine nachhaltige Planung und Lenkung von Verkehr und Mobilität, ein nachhaltiges Energie- und Ressourcenmanagement sowie um eine nachhaltige Strategie für Arbeits- und Wirtschaftspolitik, die alle Geschlechter gleichermaßen inkludiert und Zukunftstechnologien und den Forschungs- und Innovationsstandort Wien weiterhin fördert und ausbaut. Dabei ergänzt Wien seine nachhaltigen Strategien in Stadtplanung, Mobilität und Energie auch durch umfassende Barrierefreiheit: 2025 wurde die Stadt dafür mit dem europäischen Access City Award ausgezeichnet. 

Die Strategie „Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ etabliert Kreislaufwirtschaft als zentrales Werkzeug und dritte Säule der Wiener Klimapolitik, um Wiens Wandel zu einer zirkulären Stadt voranzutreiben.

Durch die Umsetzung von Partizipationsprozessen stärkt Wien die öffentliche Akzeptanz: durch die Ideen und Projekte der Wiener Klimateams, durch die Wiener Demokratie-Strategie, die den strategischen Rahmen für Mitgestaltung bildet, durch Initiativen der Lokalen Agenda 21 sowie durch persönliche Gespräche mit den Menschen in den Bezirken.

Als Wiener Sozialdemokratie bekennen wir uns zu einer inklusiven, sozial gerechten und verlässlichen Gestaltung des Transformationsprozesses im Rahmen des Klimawandels. Unser Ziel ist, Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stärke miteinander zu verbinden. Lebenswert durch nachhaltige Investitionen heißt für uns, die sozial-ökologische Transformation als Chance für Innovation, gute Arbeit, nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Wohlstand für alle zu nutzen. Dabei gilt unser sozialdemokratischer Grundsatz: Der Weg zur Klimaneutralität darf nicht auf den Schultern derer lasten, die ohnehin schon die größten Belastungen tragen.
 

 

SPÖ Wien

FORDERUNGEN 

Ökologische Transformationsprozesse als (wirtschaftliche) Chance sehen und sozial gerecht gestalten

Die Wiener Konferenz fordert daher: 

→den weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs, insbesondere der U-Bahn Linien U2xU5, sowie einer nachhaltigen Rad- und Fußgeher:innen-Infrastruktur. 
→die weitere Verstärkung einer klimafitten Gestaltung des öffentlichen Raums („Raus aus dem Asphalt“, Begrünungsoffensive) unter Berücksichtigung der budgetären Rahmenbedingungen. 
→der Schaffung von Voraussetzungen (besonders für Neubauten) für die Versorgung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien, mit besonderem Augenmerk auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. 
→die Reduktion von CO2 durch die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung und Gebäudekühlung. Gleichzeitig werden Potenziale der Sektorkopplung genutzt, z. B. die Abwärme von Datacentern zur Wärmeproduktion. 
→die Planung und Umsetzung weiterer Tiefengeothermie-Anlagen in Wien durch die Wien Energie. 
→den weiteren Ausbau der Sonnenstrom-Offensive für Wien. 
→der schrittweisen Realisierung des Projekts „Raus-aus-Gas“. 
→die Sicherheit und Stabilität der Stromversorgung, die auch eine wesentliche Einsparung von Emissionen bewirkt. 
→neue Beteiligungsmöglichkeiten für Energiegemeinschaften. 
→die Prüfung des Ausbaus von Windenergie und anderer erneuerbarer Energien in Wien. 
→der weiteren Förderung und Forschung zu innovativen Energiequellen. 
→auf Bundesebene: keine Lockerung des Ziels für das Verbrenner-Aus 2035. 

→Schaffung von Umschulungsprogrammen für Fachkräfte in Industriesparten, die im Rahmen der Green Transition ihre Relevanz verlieren werden. 
→Förderung und Ausbau von „Green-Jobs“: Weiterführung und Ausbau des Ökobooster-Programms, der Job PLUS-Ausbildung, mit der Möglichkeit einer Ausbildung in klimarelevanten Bereichen sowie der Klimaschutz-Lehrausbildungsprämie, die Wiener Lehrbetriebe darin unterstützt, Lehrlinge in klimarelevanten Lehrberufen auszubilden. 
→Förderung und Ausbau von nachhaltigen Technologien (z. B. Windkraft, Photovoltaik, Geothermie etc.) und ressourceneffizienter Produktion und deren Produktionsprozessen. 
→Beibehaltung und Ausbau von unterstützenden Maßnahmen und Anreizen für Unternehmer:innen, um den Umstieg in eine umweltfreundlichere Industrie zu forcieren. 
→Stärkere Repräsentation von Frauen in klimapolitisch relevanten Entscheidungs- und Politikprozessen sowie eine Implementierung einer Genderperspektive bei klimapolitischen Maßnahmen sowohl auf Bundes als auch auf Landesebene. 
→Frauen sollen gezielt für Ausbildungen und Weiterbildungen im Bereich der Green Economy angesprochen und somit ihre Teilhabe in der Green Economy gefördert werden – ein Beispiel hierfür ist das Stipendium für berufsbegleitende Studien des waffs, welches unter anderem einen Abschluss in den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik fördert und Frauen hiermit gezielt unterstützt. 
→Ausweitung von ÖkoKauf Wien und Ergänzung um soziale Kriterien (z. B. Verknüpfung mit der Initiative Lieferkettengesetz). 
→Prüfung des Ausbaus von Repair-Cafés in Gemeindebauten. 

 

Erfolgreich durch Wiener Betriebe.

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