Wien ist eine wirtschaftlich starke und lebendige Wirtschaftsmetropole. Rund ein Viertel des österreichischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird hier erwirtschaftet. 2023 betrug das BIP Österreichs insgesamt 473,2 Milliarden Euro, davon entfielen 118,7 Milliarden Euro auf Wien. Mit einem BIP pro Kopf von 59.500 Euro liegt Wien deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 51.800 Euro und zeigt damit eindrucksvoll seine wirtschaftliche Stärke.
Auch die Bevölkerungsentwicklung unterstreicht diese Dynamik: Zwischen 2015 und 2025 wuchs die Wiener Bevölkerung um 12,8 %, also um rund 230.000 Menschen. Inzwischen lebt mehr als ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung in Wien, Tendenz steigend. Diese demografische Entwicklung fördert sowohl die wirtschaftliche Aktivität als auch die Nachfrage nach Arbeitsplätzen, Wohnraum und Infrastruktur.
Besonders prägend ist die internationale Dimension der Wiener Wirtschaft. Wien zieht seit Jahren überdurchschnittlich viele internationale Betriebe an: Mehr als die Hälfte aller neu nach Österreich kommenden internationalen Unternehmen lassen sich in Wien nieder. 2024 wurden 218 neue Betriebsansiedlungen verzeichnet – mehr als in allen anderen Bundesländern zusammen. Diese Ansiedlungen lösten 530 Millionen Euro an Investitionen in Wien aus. Insgesamt sorgen internationale Betriebe für ausländische Direktinvestitionen in Höhe von rund 114 Mrd. Euro.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist dabei die hohe Lebensqualität: Wien überzeugt durch eine umfassende Gesundheits- und Sozialversorgung, leistbares Wohnen, ein einzigartiges Kulturangebot, den gut ausgebauten und kostengünstigen öffentlichen Verkehr sowie durch zahlreiche Grünflächen. Diese hohe Lebensqualität ist ein entscheidendes Argument für internationale Fachkräfte und Gründer:innen und trägt maßgeblich zur Attraktivität Wiens als globaler Wirtschaftsstandort bei.
Durchdachte und effektive Standortpolitik ist eine Voraussetzung für eine starke Wiener Wirtschaft, die auch international wettbewerbsfähig ist, Arbeitsplätze schafft und die regionale Wertschöpfung stärkt. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen ist es darum einmal mehr entscheidend, verantwortungsvoll zu handeln, um Wiens Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Aktuell befindet sich unsere Wirtschaft in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Während der sekundäre Sektor, insbesondere die klassische Industrieproduktion, an Bedeutung verliert, wächst der tertiäre Bereich der Dienstleistungen stetig. Diese Verschiebung erfordert neue wirtschaftliche Konzepte und innovative Standortbedingungen. Es geht nicht mehr darum, „mehr vom Gleichen“ zu produzieren, sondern zu überlegen, was wir künftig neu brauchen, um Wohlstand, Beschäftigung und ökologische Stabilität im Hinblick auf die ökologische Transformation und die Kreislaufwirtschaft zu sichern.
Die österreichische Medienlandschaft erlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel, der die journalistische Qualität und damit auch den Medienstandort Wien ernsthaft gefährdet. Redaktionen werden verkleinert, journalistische Arbeitsplätze gehen verloren, Eigentumsverhältnisse konzentrieren sich auf einige Wenige, und Desinformation verbreitet sich in rasender Geschwindigkeit über digitale Kanäle. Diese Entwicklungen bedrohen nicht nur die Qualität der öffentlichen Debatte, sondern letztlich auch die Demokratie selbst.
Gleichzeitig ist der Medienstandort Wien ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die gesamte Stadt. Hinter jeder Zeile und jedem Beitrag stehen Arbeitsplätze, Menschen, Existenzen und Know-how. In den vergangenen zwanzig Jahren sind österreichweit über 2.000 journalistische Arbeitsplätze verloren gegangen – ein Großteil davon in Wien. Diese Entwicklung dürfen wir nicht tatenlos hinnehmen.
Die österreichische Industrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Globale Wettbewerbsverschärfung, steigende Energiekosten und die Anforderungen einer klimaneutralen Wirtschaft stellen Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Chancen, die jedoch nur genutzt werden können, wenn die notwendige Infrastruktur vorhanden ist. Wien als bedeutender Industriestandort trägt mit seinen Schlüsselbranchen – darunter Life Sciences, Mobilitätslösungen und digitale Technologien – wesentlich zur nationalen Wertschöpfung bei. Um diese Position zu sichern und auszubauen, bedarf es gezielter industriepolitischer Maßnahmen. Die produzierende Industrie erwirtschaftet einen erheblichen Anteil der Wirtschaftsleistung, steht aber unter Druck durch Automatisierung, internationale Konkurrenz und die Verpflichtung zur Dekarbonisierung. Ohne strategische Investitionen drohen Standortnachteile, der Verlust von Arbeitsplätzen und eine Schwächung der Innovationskraft.
Die europäische Fiskalpolitik und die österreichweite Budgetkonsolidierung, die sich auch auf Länder und Gemeinden auswirkt, beschränken den derzeitigen finanziellen Handlungsspielraum. Durch das EU-Defizitverfahren sind staatliche Investitionen aktuell begrenzt. Dabei sind gerade sie entscheidend, um durch gezielte Ausgaben in den Standort Infrastruktur, Innovation und Beschäftigung langfristig zu stärken.
Darüber hinaus sind EU-Mitgliedsstaaten durch die strenge Auslegung des Stabilitäts- und Wachstumspakts dazu aufgerufen, ihre Haushaltsdefizite niedrig zu halten. Investitionen in die öffentliche Daseinsvorsorge wie etwa der Bau von Schulen, Krankenhäusern oder der Ausbau des öffentlichen Verkehrs werden nicht gesondert betrachtet, sondern als reguläre Ausgaben im Budget gewertet. Das wiederum führt dazu, dass langfristig notwendige und gesellschaftlich relevante Investitionen ausbleiben, da die Defizitquote kurzfristig steigt.
Die Grundlagenforschung in Europa ist international exzellent und bildet eine starke Basis für Innovation und wirtschaftliche Entwicklung. Künftig sollte der Fokus noch stärker darauf liegen, wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Innovationen und Unternehmensgründungen zu überführen. Hier besteht weiterhin großes Potenzial: Trotz hervorragender Forschung gelingt der Transfer in wirtschaftlich verwertbare Produkte und Dienstleistungen noch zu selten. Europäische Hochschulen und Technology Transfer Offices entwickeln zunehmend eine unternehmerische Kultur – dieser Weg sollte gezielt weiter unterstützt und durch klare rechtliche Rahmenbedingungen zur wirtschaftlichen Nutzung von Forschungsergebnissen flankiert werden.
Ein weiteres Potenzial liegt im Bereich Leerstand und Flächennutzung. Unvollständige Daten zu freien Gewerbe- und Wohnflächen erschweren die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle – etwa bei Projekten wie dem Kika-Areal im 14. Bezirk.
Eine zusätzliche Herausforderung stellt der zunehmende internationale Standortwettbewerb dar: Multinationale Konzerne üben Druck auf Metropolregionen aus, indem sie Steuererleichterungen oder Subventionen einfordern. Dadurch droht ein globaler Subventionswettlauf („Race to the Bottom“), der langfristig zu Lasten öffentlicher Investitionen und fairer Arbeitsbedingungen geht.
Die Wiener Standortpolitik muss ganzheitlich gedacht werden. Nicht allein niedrige Kosten, sondern das Zusammenspiel von Infrastruktur, Institutionen, Qualifikation, Kultur und Lebensqualität entscheidet über die Ansiedlung von Headquarters, Forschungszentren und hochwertigen Arbeitsplätzen. Harte Faktoren wie Verkehr, Dateninfrastruktur, Flächen und Energie müssen mit weichen Faktoren wie Stabilität, Kollektivverträgen, Kulturangebot, Internationalität und Sicherheit verbunden werden.
Wien setzt genau hier an und verfolgt das Ziel, eine zukunftsfähige, resiliente und klimaneutrale Infrastruktur aufzubauen, die den Anforderungen des europäischen Green Deal und des Net Zero Industry Act (NZIA) entspricht. Wachsende Zukunftsbranchen benötigen planbare Flächen und zügig verfügbare Anschlusskapazitäten. Das Wiener Regierungsprogramm4 bekennt sich explizit zu Flächenentwicklung, Infrastrukturausbau und zur Stärkung von Zukunftsindustrien. Eine koordinierte Netzinfrastruktur- und Bodenbereitstellung bündelt die Kräfte der Stadt und verkürzt Realisierungszeiten – ein Standortvorteil für Ansiedlungen, Transformation bestehender Betriebe sowie hochwertige Arbeitsplätze.
Maßnahmen sollen den Ausbau moderner Infrastruktur für Forschungs- und Innovationszentren, die Förderung von Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und Quantentechnik umfassen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft, um den Wissenstransfer zu beschleunigen und die Entwicklung marktfähiger Lösungen zu fördern. Die erwarteten Wirkungen sind vielfältig: Eine entsprechende Initiative schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum, sichert bestehende Arbeitsplätze und eröffnet neue Beschäftigungsperspektiven 4 Regierungsabkommen, 2025 16 in Zukunftsbranchen. So können wir die Versorgungssicherheit stärken, die Abhängigkeit von volatilen internationalen Märkten reduzieren und fördern so Wien als Standort für grüne und digitale Industriepolitik.
Statt eines „Race to the Bottom“ und eines Unterbietens sozialer und ökologischer Standards braucht es klare Regeln, gezielte Förderung und langfristige Planung. Gemeinsam mit den Sozialpartner:innen, der Wissenschaft und den Betrieben muss die Stadt den notwendigen Strukturwandel in Richtung Dekarbonisierung und Digitalisierung aktiv vorantreiben. Ein besonderer Fokus liegt daher auch auf der Forschungstranslation, der zielgerichteten Nutzung wissenschaftlicher Leistungen für die Stadtentwicklung. Ebenso sind gezielte Fördermaßnahmen im Bereich Bildung und Qualifizierung erforderlich, um auch in Zukunft gute Chancen für Arbeitnehmer:innen sicherzustellen. Zentraler Bezugspunkt ist bei all dem die Wirtschafts- und Innovationsstrategie WIEN 2030, die als Leitlinie für die strategische Weiterentwicklung dient. Attraktiv durch Standortpolitik heißt, nicht um den niedrigsten Preis, sondern um die besten Lebens-, Arbeits- und Zukunftsbedingungen zu konkurrieren.
Die Sozialdemokratie stand immer für eine lebendige, vielfältige und unabhängige Medienlandschaft. Denn sie ist das wirksamste Mittel gegen Desinformation, Propaganda und gesellschaftliche Spaltung. Unabhängiger Journalismus ist nicht nur eine Frage der Haltung: Er schafft Vertrauen, Transparenz und Orientierung – insbesondere in Zeiten globaler Krisen, Pandemien oder Kriege.Als Stadt der Medien, der Kultur und der Demokratie trägt Wien besondere Verantwortung für den Medienstandort. Mit der Wiener Medieninitiative hat Wien ein innovatives und wirkungsvolles Instrument geschaffen, um Medienunternehmen bei ihrer digitalen Transformation und Neuorientierung aktiv zu unterstützen. Seit ihrem Start wurden über 300 Medienprojekte mit mehr als 10 Millionen Euro gefördert – von etablierten Medienhäusern bis hin zu jungen Gründungsinitiativen. Diese Förderung wirkt: Sie schafft und sichert journalistische Arbeitsplätze, stärkt die redaktionelle Vielfalt und ermöglicht Innovation im digitalen Wandel.
Um diesen erfolgreichen Weg fortzusetzen, wird die Wiener Medieninitiative fortgesetzt. Damit werden gezielt Projekte gefördert, die Arbeitsplätze sichern oder neue schaffen von bestehenden Medien. Das Ziel muss sein, dass die digitale Transformation nicht zu weiterem Arbeitsplatzverlust führt, sondern zu einer Stärkung des Journalist:innenberufs in Wien. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Förderung von Frauen in Medienberufen. Der Frauenbonus in Höhe von 5.000 Euro wird weiterhin vergeben, wenn Medienprojekte von Frauen geleitet werden – ganz im Sinne des Wiener Selbstverständnisses als Stadt der Frauen.
Als Wiener Sozialdemokratie bekennen wir uns zu einer Standortpolitik, die selbst aktiv und kreativ gestaltet. Dazu gehört auch, Abhängigkeiten abzubauen und Versorgungssicherheit als zentrale Gerechtigkeitsfrage zu begreifen. Wir setzen uns dafür ein, systemrelevante Produktion nach Europa zurückzuholen und regionale Wertschöpfungsketten zu stärken. Zugleich bekennen wir uns dazu, die öffentliche Steuerung kritischer Infrastrukturen auszubauen und weitere Privatisierungen zu stoppen. Wir bekennen uns zu einem starken Standort Wien, der allen zugutekommt: den Arbeitnehmer:innen, den Unternehmen, der Wissenschaft und unserer Stadt als Ganzes.
Forderungen: Wien als starken, zukunftsorientierten Wirtschaftsstandort sichern
1. Verlässliche Infrastruktur als Standortgarantie:
2. Medienstandort Wien nachhaltig stärken – für unabhängigen Journalismus, gute Arbeitsplätze und eine starke Demokratie
3. Intelligente Betriebsansiedlung statt „Mitbieterwettläufe“
4. Leerstand aktivieren – Flächen für Zukunftsbranchen
5. Stabile Energieversorgung
6. Digitaler Humanismus – Verbindung von technologischer Innovation mit sozialen Werten
7. Fachkräfte sichern: Ausbildung, Weiterbildung, Internationalität weiter stärken
8. Zukunftsorientierte Industriepolitik