SPÖ Wien

Modern durch digitalen Fortschritt.

Digitalisierung verändert unsere Welt in atemberaubender Geschwindigkeit. Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Big Data und digitale Plattformen sind längst Realität und prägen Arbeit, Bildung, Gesundheit, Verwaltung und Kommunikation. Wie wir Digitalisierung gestalten, entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit, Lebensqualität und soziale Gerechtigkeit von morgen.

Digitalisierung ist im Alltag der Österreicher:innen weit verbreitet: Laut der Erhebung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in österreichischen Haushalten der Statistik Austria hatten 2024 rund 95 % der Haushalte einen Internetzugang, ebenso viele nutzten das Internet in den vergangenen zwölf Monaten. Knapp zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung besitzen zumindest grundlegende digitale Kenntnisse, die angesichts der fortschreitenden Digitalisierung in Unternehmen und Organisationen mittlerweile eine zentrale Qualifikationsvoraussetzung für den Arbeitsmarkt darstellen. Österreich liegt hier über dem EU-Schnitt von 56 % und nähert sich dem EU-Ziel, wonach bis 2030 mindestens 80 % der Bevölkerung zumindest basale digitale Kenntnisse haben sollen, an. Anders liegen die Dinge in Sachen Künstlicher Intelligenz: Hier stuft nur etwa ein Viertel der Österreicher:innen ihr Wissen darüber als gut ein, 73 % der österreichischen Bevölkerung schätzen ihr eigenes Wissen über KI als gering oder nicht vorhanden ein.

Mit Blick auf die Wirtschaft leisten IT-Unternehmen in Wien einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung. Der IKT-Sektor gehört zu den wichtigsten und am stärksten wachsenden Wirtschaftssektoren und ist neben Bau und Verkehr eine der drei attraktivsten technischen Branchen Wiens. Insgesamt trug die IKTBranche, die einen Anteil von knapp 11 % an der Wirtschaftsstruktur Wiens ausmacht, im Jahr 2024 0,2 Prozentpunkte zum Wertschöpfungswachstum der Wiener Stadtwirtschaft bei, was einem Anteil von nahezu 20 % entspricht. Mit Stand 2023 arbeiteten rund 60.000 unselbständig Beschäftigte in Wien im IKT-Sektor. Im Bundesländervergleich zeigt sich die überragende Bedeutung Wiens besonders deutlich: Mit 46,1 % ist nahezu jede zweite unselbständig beschäftigte Person der österreichischen IKT-Branche in Wien tätig. Damit ist Wien der mit Abstand wichtigste Standort und zentrale Wirtschaftstreiber des österreichischen IKT-Sektors.

Von Forschung und Softwareentwicklung über Bildung und Industrie bis hin zu nachhaltiger Energieversorgung schafft Digitalisierung neue Wertschöpfungsketten. Investitionen in digitale Infrastruktur und Fachkräfte sind daher nicht nur Innovationsmotor, sondern entscheidend für Wiens internationale Wettbewerbsfähigkeit. Zugleich bringt dieser Wandel komplexe Aufgaben mit sich, die aktiv gestaltet werden müssen.

 

Unterschiedliche globale Herangehensweisen 

Die Art und Weise, wie digitale Transformation umgesetzt wird, unterscheidet sich fundamental zwischen den großen globalen Akteuren. In Ländern wie den USA dominiert ein marktorientiertes Modell: Technologieunternehmen wie Google, Meta oder Amazon treiben Innovationen voran, oft mit dem Ziel maximaler Profitabilität. Hier steht die Freiheit des Marktes im Vordergrund, was zu beeindruckender Dynamik, aber auch zu Problemen wie Datenmonopolen, mangelnder Transparenz und einer Kommerzialisierung persönlicher Informationen führt. Auf der anderen Seite verfolgen Länder wie China einen staatlich gelenkten Ansatz. Digitale Technologien werden dort als Instrument politischer Kontrolle und gesellschaftlicher Steuerung genutzt. Systeme wie Social Scoring und umfassende Überwachung zeigen, wie digitale Macht zur Sicherung staatlicher Interessen eingesetzt werden kann – oft auf Kosten individueller Freiheitsrechte. Zwischen diesen beiden Extremen bietet der digitale Humanismus einen weiteren Ansatz. Er fordert, dass digitale Technologien nicht allein ökonomischen oder machtpolitischen Zielen dienen, sondern dem Menschen und seinen Werten. Transparenz, Datenschutz, Teilhabe und demokratische Kontrolle sind zentrale Prinzipien. Ziel ist eine digitale Welt, die Innovation ermöglicht, ohne die Würde des Einzelnen zu gefährden – ein Gleichgewicht zwischen Fortschritt und Verantwortung.

 

Ethische, soziale und demokratische Herausforderungen

Eine Befragung aus Deutschland aus dem Jahr 2023 zeigt: Die Hälfte der Deutschen steht Künstlicher Intelligenz mit Respekt gegenüber, was die Bedeutung dieses technologischen Fortschritts unterstreicht. Über 54 % erkennen, dass KI unsere Gesellschaft tiefgreifend verändern kann. 57 % sind sich bewusst, dass KI den öffentlichen Diskurs beeinflussen kann, was die Notwendigkeit klarer Regeln und ethischer Leitlinien verdeutlicht. Durch verantwortungsvollen Einsatz von KI können Diskriminierung verringert, Prozesse fairer gestaltet und neue Wege der Teilhabe eröffnet werden. Aber auch schon etabliertere Algorithmen sind nach wie vor eine gesellschaftliche Herausforderung. Fälle wie etwa der AMS-Algorithmus oder der Algorithmus-Skandal in den Niederlanden sind wichtige Erfahrungswerte für die zukünftige Gestaltung der Digitalisierung, denn digitale Entwicklungen können auch Risiken für unsere Demokratie mit sich bringen: durch gezielte Desinformation, den Verlust von Privatsphäre oder die Verbreitung von Fake News und Deepfakes, die das Vertrauen in öffentliche Institutionen und Medien beeinträchtigen können.

 

Souveränität, Sicherheit und Abhängigkeit

Viele Systeme, auf denen unsere digitale Infrastruktur basiert, stammen von internationalen Technologiekonzernen, deren Standards nicht immer mit europäischen Datenschutz- und Demokratieprinzipien übereinstimmen. Auch Fragen der Datensicherheit gewinnen zunehmend an Bedeutung: Angriffe auf Verwaltung, Unternehmen und Privatpersonen zeigen, wie wichtig der Schutz sensibler Informationen ist. Hinzu kommt der Bedarf nach leistungsfähigen Rechenzentren. Ein Mangel zwingt Forschungseinrichtungen und Betriebe dazu, auf kostenintensive externe Kapazitäten etablierter Großkonzerne zurückzugreifen. Diese Abhängigkeit kann Innovationen verteuern und die Datenhoheit einschränken. Zudem erfordert der verantwortungsvolle Umgang mit kostenlosen Online-Tools besondere Aufmerksamkeit, da deren Nutzung oft mit der Weitergabe und Verwertung von eingegebenen Daten verbunden ist.

 

Arbeitsmarkt und soziale Gerechtigkeit

Die digitale Transformation stellt neue Anforderungen an Beschäftigte, Bildungssysteme und Unternehmen. Tätigkeiten, die lange menschlich geprägt waren, werden zunehmend von KI unterstützt. Das schafft Chancen, etwa durch Entlastung von Routinen, bei der Umsetzung von Barrierefreiheit oder Unterstützung von Menschen mit Behinderungen. Gleichzeitig entstehen durch Überwachung, Rationalisierungsdruck oder Ungleichheit neue Risiken. Neue Technologie kann zudem zu neuen, teils prekären Beschäftigungsformen führen oder bestehende Ungleichheiten, etwa im Recruiting, verstärken. Ebenso kann Digitalisierung dort, wo ortsunabhängiges Arbeiten bzw. Homeoffice möglich ist, zur Doppelbelastung von Kinderbetreuung und gleichzeitiger Erwerbsarbeit führen. Ohne klare politische und gesellschaftliche Leitplanken besteht die Gefahr, dass technologische Fortschritte vor allem wirtschaftlichen Interessen dienen, anstatt allen zugutezukommen. Darüber hinaus führt der technologische Wandel zu einem hohen Bedarf an Weiterbildung und Qualifizierung in allen Bildungsstufen und Berufsfeldern. Kenntnisse im Umgang mit digitalen Tools und ein grundlegendes Verständnis für die Funktionsweise von KI gelten dabei als entscheidende Voraussetzung, um sich in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt sicher bewegen zu können. Ein ungleicher Zugang zu moderner Technologie oder digitalem Wissen kann langfristig zu sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten führen.

 

Ressourcen- und Energiebedarf digitaler Technologien

Der digitale Fortschritt geht mit einem deutlich steigenden Bedarf an Energie und Ressourcen einher. Das kontinuierliche Wachstum von Datenmengen sowie der zunehmende Einsatz von KI-Anwendungen führen zu einem hohen Verbrauch von Rechenleistung und Energie. Neben dem Energiebedarf rückt auch der Wasserverbrauch stärker in den Fokus, da der Betrieb großer Rechenzentren erhebliche Mengen an Süßwasser für die Kühlung benötigt – eine Ressource, die nur begrenzt verfügbar ist.

 

Datensouveränität und digitale Verantwortung

Mit der wachsenden Menge digitaler Informationen gewinnen Datenschutz und Datensouveränität zunehmend an Bedeutung. Ebenso wichtig ist die Frage, wer an der digitalen Welt teilhaben und sie aktiv mitgestalten kann. Auch die Einflussnahme von Algorithmen auf menschliche Entscheidungen ist ein zentraler Aspekt. Da Künstliche Intelligenz von Menschen entwickelt und trainiert wird, können Verzerrungen und Diskriminierungen (Bias) ungewollt in die Systeme einfließen. Umso wichtiger sind Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Erklärbarkeit (Explainable AI), um Vertrauen in KI-Anwendungen („trustworthy AI“) zu stärken. Darüber hinaus zeigen sich in einzelnen Bereichen spezifische Herausforderungen: Beispielsweise erfordert der Umgang mit sensiblen Informationen im Gesundheitswesen besondere Achtsamkeit, da viele Nutzer:innen oft nicht wissen, welche Daten über Smartwatches oder Health-Apps an Unternehmen weitergegeben werden.

 

WIENER WEG

Wien hat die Chance, Hauptstadt eines sozial verträglichen, nachhaltigen und demokratisch gestalteten digitalen Fortschritts zu werden. Dafür braucht es Mut, eine klare Haltung und eine Politik, die Fortschritt und Fairness verbindet. Darum gilt in Wien: Digitalisierung ist eine zentrale politische Aufgabe und ein entscheidender Standortfaktor der Zukunft.

Die Stadt hat hier in den vergangenen Jahren, mit gezielten Förderungen für Start-ups, mit digitalen Services in der Verwaltung Maßstäbe gesetzt. Ebenso hat sich Wien als internationale Vorreiterin für Digitalen Humanismus etabliert. Ausgangspunkt war das Vienna Manifesto on Digital Humanism (2019), das international Aufmerksamkeit erregte und den Grundstein für eine menschenzentrierte digitale Transformation legte. Seither verfolgt die Stadt Wien konsequent das Ziel, technologische Innovationen mit ethischen Prinzipien wie Transparenz, Datenschutz, Fairness und Teilhabe zu verbinden. Ein zentraler Erfolg ist die Integration des Digitalen Humanismus in die Digitale Agenda Wien 20309. Diese Strategie stellt sicher, dass digitale Lösungen nicht nur effizient, sondern auch inklusiv und nachhaltig sind. Projekte wie die Entwicklung vertrauenswürdiger KI-Systeme, die Förderung digitaler Bildung und die Sicherstellung von Datenschutz gehören zu den Kernmaßnahmen.

Die Stadt hat hier in den vergangenen Jahren mit dem Konzept des Digitalen Humanismus, das den Menschen und nicht die Technik ins Zentrum stellt, mit gezielten Förderungen für Start-ups, mit digitalen Services in der Verwaltung oder mit der Bewerbung für die AI-Gigafactory Maßstäbe gesetzt. Das zeigt: Wir können Fortschritt gestalten, ohne die Menschen zurückzulassen. Strategien wie die Digitale Agenda 2030 der Stadt Wien und die Wirtschafts- und Innovationsstrategie Wien 2030 setzen auf Fairness, Transparenz, Sicherheit und Selbstbestimmung. Wien baut eigene digitale Strukturen auf und stärkt damit auch die technologische Souveränität Europas.

Die Stadt setzt ein starkes Zeichen gegen die Extreme eines rein profitorientierten oder autoritär kontrollierten Digitalisierungsmodells und etabliert den Digitalen Humanismus als zukunftsweisenden Mittelweg – als Leitbild für eine menschen- und wertezentrierte Digitalisierung.

Das Regierungsprogramm bekräftigt dieses Leitmotiv ausdrücklich und sieht u. a. die Etablierung eines „Hub für Digitalen Humanismus“, die Weiterführung von Diskussionsformaten sowie die Erarbeitung von Strategien zur Umsetzung des Digitalen Humanismus in Verwaltung und Wirtschaft vor.

Modern durch digitalen Fortschritt heißt für uns, Technologie in den Dienst der Menschen zu stellen: für soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Stärke und eine nachhaltige Zukunft. Als Wiener Sozialdemokratie bekennen wir uns zu einem digitalen Transformationsprozess, der technischen und wirtschaftlichen Fortschritt mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.

Digitalisierung ist für uns ein Motor wirtschaftlicher Entwicklung: Sie stärkt Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung. Künstliche Intelligenz muss Arbeitnehmer:innen unterstützen, Weiterbildung fördern und neue Chancen eröffnen, anstatt bestehende Ungleichheiten zu vertiefen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können besonders profitieren, wenn durch digitale Technologien Verwaltungsaufwand reduziert wird und neue Ressourcen für Innovation und Wertschöpfung freigesetzt werden. Digitalisierung ist für uns auch ein klarer Standortvorteil: durch den Ausbau eigener digitaler Infrastrukturen, die Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen, die Förderung innovativer Start-ups und eine klare Forschungsstrategie, die Wien als internationalen Technologiestandort absichert. Wir setzen auf partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Stadt, Wirtschaft, Forschung und Sozialpartnern. Zugleich muss Digitalisierung ökologisch gestaltet werden – mit energieeffizienten, nachhaltigen Rechenzentren und ressourcenschonenden Technologien.

Digitalisierung muss Teilhabe ermöglichen, Barrieren abbauen und allen Menschen zugutekommen. Und das unabhängig von Einkommen, Alter, Herkunft, Bildungsstand oder Behinderung. Sie braucht Transparenz, offene Standards, Medienkompetenz, klare Regeln gegen Machtmissbrauch und wirksame Kontrolle. Auch in der Verwaltung soll Digitalisierung Bürger:innen entlasten und Abläufe vereinfachen. Stets unter der Prämisse, dass der Mensch die Wahl hat und Services auch persönlich vor Ort zugänglich sind.

Darüber hinaus bekennen wir uns zu digitaler Bildung von klein auf als Schlüssel zur späteren Teilhabe am Arbeitsmarkt: Kinder sollen lernen, verantwortungsvoll mit Technologie und KI umzugehen, während Lehrer:innen die passenden Werkzeuge und das Wissen erhalten, um diese Inhalte altersgerecht zu vermitteln. Weiterbildung im Bereich Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz soll allen Menschen in Wien offenstehen: in Bibliotheken, Volkshochschulen und Bildungseinrichtungen in allen Bezirken. Denn digitale Mündigkeit heißt, KI nicht nur zu nutzen, sondern sie auch kritisch zu verstehen und selbstbewusst mitzugestalten.

SPÖ Wien

FORDERUNGEN 

Digitaler Wandel, der sozial gerecht ist, niemanden zurücklässt und wirtschaftlichen Wohlstand für alle schafft

Digitaler Humanismus als Leitprinzip 

 

Moderne Arbeitswelt

Moderner Standort & Innovationen

Moderne Energiewirtschaft & Nachhaltigkeit

Moderne Bildung

Moderne Sozialwirtschaft

Innovativ durch Forschung und Entwicklung.

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