Leitfaden für den Kulturbetrieb

Bürgermeister Michael Ludwig und Stadträtin Veronica Kaup-Hasler Bild: PID / Christian Jobst

Theater, Museen, Kleinkunst und Konzerte sowie der Film gehören zur DNA der Kulturhauptstadt Wien. Deshalb soll nun der Kulturbetrieb in der Stadt nach mehr als neun Wochen Lockdown wieder hochgefahren werden – selbstverständlich unter sicheren Rahmenbedingungen. Dazu hat die Stadt Wien nun gemeinsam mit Medizinerinnen und Medizinern sowie Kulturschaffenden einen „Leitfaden für den Kulturbetrieb“ erstellt.

„Wir sind stolz darauf, eine Kulturmetropole zu sein – und bekennen uns nicht nur in Sonntagsreden dazu. Mit diesem Leitfaden wollen wir den Kulturschaffenden rechtlich verbindliche Richtlinien und Rahmenbedingungen für ihre Arbeit geben, auf die sie sich verlassen können“, betonte Bürgermeister Dr. Michael Ludwig bei der Präsentation des Kulturleitfadens gemeinsam mit Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. Der jetzt ausgearbeitete Leitfaden ist eine Ergänzung zu den jüngst verdoppelten Stipendien für Kunstschaffende, zu den geförderten Auftrittsmöglichkeiten im Stadtfernsehen W24, und der Forderung von Bürgermeister Dr. Michael Ludwig an den Bund nach einem Rettungsschirm für die Kulturszene.

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler sieht in den neuen Leitlinien „die Möglichkeit, maximalen Freiraum innerhalb der Corona-Regeln“ zu ermöglichen. Bei der Ausarbeitung sei der Stadt die Tauglichkeit der Regeln fürs Anwenden im Alltag wichtig gewesen. „Wir haben den Leitfaden im Dialog mit Kulturschaffenden auch auf die Machbarkeit abgeklopft. Wir wollen Kunst und Kultur in der Stadt ermöglichen“, so Kaup-Hasler, die ergänzte: „Wo notwendig, werden die Leitlinien auch im Detail adaptiert werden“.

„Eine Öffnung des Kulturbetriebes kann nur unter der Voraussetzung geschehen, dass das Ansteckungsrisiko minimiert wird“, sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. „Die von den Expertinnen und Experten ausgearbeiteten Regeln zielen darauf ab, dass Besucherinnen und Besucher von Kulturveranstaltungen keinem höheren Risiko ausgesetzt sind, als bei sonstigem Kontakt mit anderen Menschen im öffentlichen Raum.“

Die wichtigste Maßnahme gegen die Ausbreitung des Corona-Virus ist laut Einschätzung der WissenschafterInnen neben Maskenpflicht, Abstands-Regel und gründliche Hand-Hygiene auch die Begrenzung der TeilnehmerInnen-Zahl bei Veranstaltungen. Der neue Kulturleitfaden sieht vor, „Hot-Spots“ wie Eingangsbereich oder Kassa durch z.B. Plexiglas-Scheiben zu trennen – wenn diese „mechanischen Barrieren“ nicht reichen, könne der Fokus auf den Online-Vorverkauf von Tickets gelegt werden. Bei Lüftungsanlagen in Sälen sollte die Luftverteilung verbessert werden – zum Beispiel durch Maßnahmen wie Querlüftung. In Theatern und Kinos schlägt der Leitfaden eine Vergrößerung der Abstände zwischen den Sitzreihen oder zur Bühne vor; außerdem schreiben die ExpertInnen unterschiedliche Ein- und Ausgänge vor, ebenso wie die regelmäße Reinigung und Desinfektion. In Museen sieht der Leitfaden ähnliche Maßnahmen wie in Schaustätten vor – Lüftung, Desinfektion und Beschränkung der BesucherInnen-Zahl – wobei in weitläufigen Museums-Räumen die Einhaltung von Abstand und Lüftung leichter möglich ist als zum Beispiel in einem Theater-Raum ohne Fenster.

Gelten könnten die im Leitfaden vorgeschriebenen Regeln bereits im Juni. Der medizinische Krisenstab der Stadt Wien hat die ExpertInnen-Vorschläge bereits gutgeheißen. Damit diese aber umgesetzt werden können, und Theater oder Konzerthäuser wieder starten können, brauche es aber eine Verordnung oder eine Gesetzesänderung des Bundes. Die von der Stadt ausgearbeiteten Leitlinien seien als Vorschlag für den Bund zu sehen – welcher in der Materie das letzte Wort hat, betonte Bürgermeister Ludwig. Das Okay des zuständigen Bundesministers Rudolf Anschober vorausgesetzt, könne der Wiener Vorschlag auch für eine bundesweite Regelung herangezogen werden.